Über das Werk
La Juive („Die Jüdin") ist eine Grand opéra in fünf Akten von Fromental Halévy auf ein Libretto von Eugène Scribe. Die Uraufführung am 23. Februar 1835 an der Pariser Oper geriet zum Triumph und begründete Halévys Ruhm. Das Werk gehört zu den Gründungswerken der französischen Grand opéra und entfaltet vor dem historischen Hintergrund des Konzils von Konstanz (1414) ein Drama über religiöse Intoleranz, Verfolgung und Rache. Mit großem Chor- und Orchesterapparat, Massenszenen und einer der berühmtesten Tenorarien des Repertoires – „Rachel, quand du Seigneur" – prägte „La Juive" das Musiktheater des 19. Jahrhunderts nachhaltig.
Handlung
In Konstanz zur Zeit des Konzils lebt der jüdische Goldschmied Éléazar mit seiner Tochter Rachel. Diese liebt einen jungen Mann, der sich als Jude „Samuel" ausgibt, in Wahrheit aber der christliche Reichsfürst Léopold ist. Als die verbotene Liebe zwischen Christ und Jüdin auffliegt, werden Rachel und Éléazar zum Tode verurteilt. Kardinal Brogni, einst Éléazars Feind, fleht vergeblich um ein Geständnis, das Rachel retten könnte. Erst als Rachel in den Kessel mit siedendem Öl gestürzt wird, offenbart Éléazar dem Kardinal seine Rache: Rachel war Brognis eigene, totgeglaubte Tochter, die Éléazar einst aus den Flammen rettete.
Kulturelle Bedeutung
„La Juive" war jahrzehntelang eine der meistgespielten Opern überhaupt und ein Schlüsselwerk der Grand opéra. Die Partie des Éléazar wurde zur Paraderolle großer Tenöre, und „Rachel, quand du Seigneur" gehört zu den ergreifendsten Arien der Gattung – Enrico Caruso sang sie in einer seiner letzten Vorstellungen. Nach langer Vernachlässigung im 20. Jahrhundert erlebt das Werk seit einigen Jahrzehnten eine Renaissance, die seine kühne Auseinandersetzung mit Antisemitismus und religiösem Fanatismus neu zur Geltung bringt.
