Über das Werk
„La Cubana oder Ein Leben für die Kunst“ ist ein Vaudeville in fünf Bildern von Hans Werner Henze auf ein Libretto von Hans Magnus Enzensberger, frei nach Miguel Barnets dokumentarischem Roman „Canción de Rachel“ (1969). Henze schrieb das Werk 1973 als Fernsehoper im Auftrag des WNET Opera Theatre in New York; gesendet wurde es erstmals am 4. März 1974 unter seiner Leitung, die szenische Uraufführung folgte am 28. Mai 1975 am Münchner Gärtnerplatztheater. Die Kammerfassung „La piccola Cubana“, die Henze und Enzensberger 1990/91 anlegten, richtete Jobst Liebrecht 2019 ein; sie wurde am 27. Oktober 2022 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden uraufgeführt.
Handlung
Havanna, kurz nach der Revolution von 1959: Die alt gewordene Varietédiva Rachel blickt auf ihr Leben zurück. In Rückblenden zieht ihre Laufbahn zwischen 1906 und 1934 vorbei, von kleinen Vergnügungsbühnen über den Zirkus bis zu den Glanzjahren im Teatro Alhambra, umgeben von reichen Verehrern, Zuhältern, Gangstern und Politikern. Präsidenten wechseln, Krisen und Revolten erschüttern das Land, doch Rachel hält an ihrem Traum vom großen Künstlerleben fest, bis ihr Theater schließt und das Publikum ausbleibt.
Kulturelle Bedeutung
Henze hatte 1969/70 ein Jahr in Kuba verbracht und Barnets Werk schon für „El Cimarrón“ genutzt; „La Cubana“ befragt mit Witz und Parodie eine Kunst, die sich für unpolitisch hält. Die Partitur verarbeitet Chansons, Couplets und Tänze wie Rumba, Tango, Charleston und Ragtime. Auf der Bühne (München 1975, London 1978, Rostock 1981) überzeugte die filmisch gebaute Fernsehoper mit vielen Solopartien und großer Besetzung samt Bigband kaum, weshalb Henze eine kleinere Fassung anstrebte.