Über das Werk
Iphigénie ist eine Tragödie in fünf Akten und Versen von Jean Racine, uraufgeführt am 18. August 1674 in der Orangerie von Versailles im Rahmen der königlichen Festspiele zur Feier der Eroberung der Franche-Comté. Nach den zeitgeschichtlichen Stoffen Britannicus, Bérénice, Bajazet und Mithridate kehrte Racine damit zu einem antiken, mythologischen Thema zurück.
Handlung
Agamemnon muss seine Tochter Iphigénie der Göttin Artemis opfern, damit die griechische Flotte günstigen Wind nach Troja erhält, und lockt sie unter dem Vorwand einer Hochzeit mit Achille ins Lager nach Aulis. Als der Betrug offenbar wird, steht Iphigénie dem Opfertod gegenüber, während die Gefangene Ériphile, selbst heimlich in Achille verliebt, aus Eifersucht die Rettung hintertreibt. Erst eine Wendung um Ériphiles eigene Identität löst den Konflikt, ohne dass Iphigénie sterben muss.
Kulturelle Bedeutung
Iphigénie wurde bei Hof und Publikum ein großer Erfolg und im Dezember 1674 triumphal am Hôtel de Bourgogne wiederaufgenommen. Im 19. Jahrhundert vom romantischen Drama verdrängt, gilt das Stück heute wieder als eine von Racines ausgereiftesten Tragödien, weil es das antike Opfermotiv mit einer psychologisch genau gezeichneten Eifersucht verbindet.
