Über das Werk
Frau Yamamoto ist noch da ist ein Theaterstück von Dea Loher, einer der wichtigsten und profiliertesten Stimmen des deutschsprachigen Theaters. Das Stück wurde im September 2024 parallel am Schauspielhaus Zürich und in Tokio uraufgeführt; die deutsche Erstaufführung folgte am 11. Oktober 2024 am Schauspiel Stuttgart in der Regie von Burkhard C. Kosminski.
Handlung
In einem Episodenkammerspiel aus rund zwei Dutzend lose verwobenen Szenen zeichnet Loher Momentaufnahmen von Menschen, deren Wege sich kreuzen, die sich kurz begegnen und wieder verlieren. Ein Mann sinniert über ein magnetisches Herz; ein Paar kann nicht zusammenziehen, weil die Frau ihre alte Mutter pflegt; ein Kind fragt, wohin man geht, wenn man gestorben ist. Im Zentrum steht die titelgebende, kaum greifbare Frau Yamamoto, deren Wohnung weitervermietet werden soll und von der niemand weiß, ob sie noch lebt oder schon gestorben ist. Um diese Leerstelle kreisen die Figuren und mit ihnen die großen Fragen nach Existenz, Verlust, Tod und Liebe, Einsamkeit und der Suche nach Nähe.
Kulturelle Bedeutung
Mit leichter Hand verbindet Dea Loher die isolierten Einzelschicksale zu einem heiteren „Endspiel" und zum Porträt einer verunsicherten, sprachlos gewordenen Gesellschaft. In einer unzuverlässig gewordenen Welt wird die Sprache zum Halt und das Theater zum Ort der Selbstvergewisserung. Das Stück bestätigte Lohers Ruf als Meisterin des verknappten, hochmusikalischen Dialogs und als genaue Beobachterin menschlicher Vereinzelung.
