Über das Werk
Schauspiel in vier Akten von George Bernard Shaw, verfasst 1893 als zweites seiner „unangenehmen Stücke". Der britische Zensor (Lord Chamberlain) untersagte die öffentliche Aufführung; als geschlossene Vorstellung der Stage Society wurde es am 5. Januar 1902 im New Lyric Club London erstmals gespielt, öffentlich in Großbritannien erst 1925. Die deutschsprachige Erstaufführung unter dem Titel „Frau Warrens Beruf" fand am 9. Oktober 1906 im Wiener Raimundtheater statt, initiiert vom Shaw-Übersetzer Siegfried Trebitsch.
Handlung
Die junge Mathematikerin Vivie Warren besucht nach Abschluss ihres Studiums ihre Mutter Kitty, die ihr ein sorgenfreies Leben finanziert hat, ohne deren Herkunft je zu erklären. Vivie erfährt, dass ihre Mutter aus bitterer Armut heraus als Prostituierte begann und inzwischen ein europaweites Netz von Luxusbordellen betreibt. Als sich zeigt, dass Kitty das Geschäft trotz gesicherten Wohlstands nicht aufgeben will, bricht Vivie mit ihr und entscheidet sich für ein unabhängiges Berufsleben.
Kulturelle Bedeutung
Shaw wollte mit dem Stück zeigen, dass Prostitution nicht individuelles Laster, sondern Folge wirtschaftlicher Zwänge und männlicher Doppelmoral sei; die Zensurgeschichte machte es zu einem Schlüsselstück der Debatte um Bühnenfreiheit. Eine New Yorker Aufführung am 30. Oktober 1905 im Garrick Theatre endete tags darauf mit der Verhaftung des gesamten Ensembles wegen Verstoßes gegen Sittengesetze; das folgende Gerichtsverfahren scheiterte, alle Beteiligten wurden freigesprochen.
