Über das Werk
„Erinnerung eines Mädchens“ (Originaltitel „Mémoire de fille“) ist ein autobiografischer Text der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux, der im April 2016 bei Gallimard erschien; die deutsche Übersetzung von Sonja Finck folgte 2018 bei Suhrkamp. Mehr als fünf Jahrzehnte nach den Ereignissen rekonstruiert Ernaux darin anhand von Fotos und Briefen einen Sommer ihrer Jugend. Auf die Bühne kam der Text unter anderem 2021 in der Regie von Silvia Costa am Residenztheater München und 2022 an der Schaubühne Berlin in einer Fassung von Veronika Bachfischer, Sarah Kohm und Elisa Leroy, inszeniert von Kohm mit Bachfischer.
Handlung
Im Sommer 1958 arbeitet die 18-jährige Annie Duchesne als Betreuerin in einer Ferienkolonie in der Normandie. Dort erlebt sie mit dem leitenden Betreuer H. ihre erste sexuelle Begegnung, die sie verstört zurücklässt; danach wird sie von den übrigen Betreuer:innen verspottet und gemieden. Ernaux verfolgt, wie Scham und körperliche Folgen die nächsten Jahre bestimmen, bis die junge Frau ein Pädagogikstudium beginnt. Der Text bewegt sich dabei ständig zwischen dem „Mädchen von 1958“ und der Schreibenden von heute.
Kulturelle Bedeutung
In Frankreich und im deutschsprachigen Feuilleton wurde das Buch überwiegend als schonungslose Auseinandersetzung mit Scham und sexueller Gewalt gewürdigt. In einer Dokumentation von France Culture bezeichnete Ernaux das Erlebnis 2020 ausdrücklich als Vergewaltigung. 2022 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur; 2026 lief Judith Godrèches Verfilmung „A Girl’s Story“ in Cannes in der Reihe Un Certain Regard.
