Über das Werk
„El Cimarrón“ ist ein Musiktheaterwerk von Hans Werner Henze, das er selbst als Rezital für vier Musiker bezeichnete: einen Bariton, einen Flötisten, einen Gitarristen und einen Schlagzeuger. Hans Magnus Enzensberger richtete den deutschen Text nach Miguel Barnets Buch „Biografía de un cimarrón“ (1966) ein, das die Lebenserinnerungen des früheren Sklaven Esteban Montejo festhält. Henze komponierte das rund 75-minütige Werk 1969/70 im Umfeld seines Aufenthalts auf Kuba; die Uraufführung fand am 22. Juni 1970 beim Aldeburgh Festival statt, mit William Pearson, Karlheinz Zöller, Leo Brouwer und Stomu Yamash’ta unter der Leitung des Komponisten.
Handlung
In fünfzehn liedartigen Bildern erzählt der Bariton als Cimarrón das Leben des 1860 geborenen Esteban Montejo: die Sklaverei auf einer kubanischen Zuckerplantage, die Flucht in den Wald, die Welt der Geister, eine Freiheit, die sich als falsch erweist, dann Frauen, Maschinen und Pfarrer. Am Ende stehen der Aufstand gegen Spanien, die Schlacht von Mal Tiempo und der „schlechte Sieg“. Die Partitur verlangt vom Sänger auch Lachen, Pfeifen, Schreien und Falsett, lässt den Musikern Felder für Improvisation und setzt neben den klassischen Instrumenten karibische und afrikanische Schlaginstrumente ein, die alle vier Mitwirkenden mitspielen.
Kulturelle Bedeutung
Das Stück gehört zu den Werken, in denen Henzes politisches Engagement um 1968–1970 unmittelbar in die Musik einging, wie auch die 6. Sinfonie, die er 1969 in Havanna uraufführte. Nach der Premiere ging die Besetzung der Uraufführung auf Festivaltournee, unter anderem nach Spoleto, München, Edinburgh, Berlin und Avignon; Leo Brouwer schuf aus dem Material zudem das Gitarrenstück „Memorias de El Cimarrón“.