Über das Werk
Kurt Weill komponierte 1933 im Pariser Exil das „Ballett chanté“ nach einem Libretto von Bertolt Brecht für George Balanchines neu gegründete Compagnie „Les Ballets 1933“; Bühnenbild und Kostüme stammen von Caspar Neher. Die Uraufführung fand am 7. Juni 1933 im Théâtre des Champs-Élysées in Paris statt, mit Lotte Lenya als singender und Tilly Losch als tanzender Anna unter der musikalischen Leitung von Maurice Abravanel.
Handlung
Die Schwestern Anna I (Gesang) und Anna II (Tanz) verkörpern gemeinsam eine Person, die sieben Jahre durch amerikanische Großstädte reist, um Geld für ein Häuschen am Mississippi für ihre Familie zu verdienen. In jeder Stadt begegnet ihr eine der sieben Todsünden, wobei sich Gut und Böse verkehren: Was die Familie als Sünde brandmarkt – etwa Stolz oder Zorn –, verhindert in Wahrheit Annas Verdienst, während wirtschaftlicher Erfolg über moralische Bedenken siegt.
Kulturelle Bedeutung
Das Werk gilt als scharfe Kapitalismuskritik und als letzte gemeinsame Arbeit von Weill und Brecht; die von Lenya gesungenen Partien zählen zu den bekanntesten Kompositionen Weills im Exil. Nach der wenig erfolgreichen Uraufführung geriet es jahrzehntelang in Vergessenheit, bevor es seit den 1960er-Jahren zu einem festen Bestandteil des Konzert- und Tanzrepertoires wurde.
