Über das Werk
Chronikstück in sechs Szenen und einem Epilog von George Bernard Shaw, geschrieben 1923 kurz nach der Heiligsprechung Jeanne d'Arcs durch die katholische Kirche 1920. Uraufführung am 28. Dezember 1923 im Garrick Theatre New York durch die Theatre Guild mit Winifred Lenihan in der Titelrolle; die Londoner Erstaufführung folgte am 26. März 1924 im New Theatre mit Sybil Thorndike, für die Shaw die Rolle geschrieben hatte.
Handlung
Die Bäuerin Johanna überzeugt den unentschlossenen Thronfolger Karl, ihr ein Heer zur Befreiung des belagerten Orléans anzuvertrauen. Nach militärischen Erfolgen und Karls Krönung gerät sie in Gefangenschaft und wird vor einem kirchlichen Gericht wegen Ketzerei angeklagt, das in ihr vor allem eine Bedrohung der bestehenden Feudal- und Kirchenordnung sieht. Unter Druck widerruft sie, nimmt den Widerruf jedoch zurück und wird verbrannt; ein Epilog zeigt Karl Jahre später im Traum, wie einstige Gegner Johanna posthum ehren.
Kulturelle Bedeutung
Der Erfolg des Stücks trug wesentlich dazu bei, dass Shaw 1925 der Nobelpreis für Literatur zugesprochen wurde, dessen Preisgeld er ablehnte. Kritiker haben Shaw bewusst gesetzte Anachronismen vorgehalten, etwa wenn mittelalterliche Figuren von „Protestantismus" und „Nationalismus" sprechen – Begriffe, mit denen er den Prozess an moderne Debatten über individuelles Gewissen gegen Institutionen anschließt.
