Über das Werk
„Die größere Hoffnung“ ist der einzige Roman der österreichischen Schriftstellerin Ilse Aichinger. Um ihn zu schreiben, gab sie ihr Medizinstudium auf; sie verarbeitete darin ihre eigene Verfolgung als Tochter einer jüdischen Mutter im nationalsozialistischen Wien. Das Buch erschien 1948 im Bermann-Fischer Verlag in Amsterdam, 1960 legte Aichinger eine überarbeitete, knappere Fassung vor. Eine Bühnenfassung von Sara Ostertag und Julia Engelmayer wurde am 1. Dezember 2023 am Landestheater Niederösterreich in St. Pölten uraufgeführt.
Handlung
Ellen hat zwei „falsche“ Großeltern und bleibt allein zurück, nachdem ihre Mutter nach Amerika emigriert ist; ihr Versuch, beim Konsul ein Visum zu erlangen, scheitert. Sie schließt sich einer Gruppe jüdischer Kinder an, denen Parkbänke verboten sind und die nur noch auf dem Friedhof spielen können, und heftet sich aus Zugehörigkeit selbst den gelben Stern an. Nach Deportationen und dem Tod der Großmutter, die Gift nimmt, um der Verschleppung zu entgehen, gerät Ellen in die letzten Kämpfe des Krieges und kommt als Botin an einer umkämpften Brücke ums Leben. Die Stadt bleibt im Roman ungenannt, erzählt wird in zehn Kapiteln aus Traum-, Märchen- und Wirklichkeitsbildern.
Kulturelle Bedeutung
Der Roman gilt als Beginn der österreichischen Nachkriegsliteratur und als frühes literarisches Zeugnis über die Verfolgung jüdischer Kinder; statt realistischer Schilderung setzt er auf allegorische, traumartige Bilder. Ins Englische wurde er 1963 als „Herod's Children“ und 2016 als „The Greater Hope“ übersetzt.