Über das Werk
Kammerspiel von August Strindberg, 1907 entstanden und am 21. Januar 1908 im von ihm mitbegründeten Intima teatern in Stockholm uraufgeführt. Strindberg übertrug bewusst die Form der Sonate auf den Bühnenaufbau; die schwedische Uraufführung fiel beim Publikum durch, erst Otto Falckenbergs Inszenierung 1915 in München und Max Reinhardts Berliner Aufführung 1916 brachten dem Stück den Durchbruch.
Handlung
Ein junger Student wird zum Gast in einem alten Haus, dessen Bewohner wie Gespenster in ihren eigenen Lebenslügen gefangen sind: ein herrschender alter Mann im Rollstuhl, eine mumienhafte Frau, die im Schrank lebt, und die kranke Tochter des Hauses, in die sich der Student verliebt. Je mehr die bürgerliche Fassade der Gesellschaft bröckelt, desto klarer wird, dass auch die junge Liebe keinen Ausweg findet: Die Tochter stirbt, der Student bleibt allein zurück.
Kulturelle Bedeutung
Mit ihrer Auflösung von Traum und Wirklichkeit gilt die „Gespenstersonate“ als Wegbereiter des europäischen Expressionismus und absurden Theaters. Trotz ihres Misserfolgs bei der Uraufführung zählt sie heute zu Strindbergs meistgespielten Spätwerken und ist über Bühnenvertriebe wie Kiepenheuer Medien im deutschsprachigen Raum weiterhin erhältlich.