Über das Werk
Die ersten Menschen ist eine Oper in zwei Akten von Rudi Stephan auf ein Libretto von Otto Borngräber, das als „erotisches Mysterium" die biblische Geschichte der ersten Menschenfamilie behandelt. Es ist die einzige vollendete Oper des hochbegabten Komponisten, der 1915 mit nur 28 Jahren im Ersten Weltkrieg fiel; die Uraufführung erlebte er nicht mehr – sie fand 1920 in Frankfurt statt. Stephans Musik verbindet spätromantische Sinnlichkeit mit expressionistischer Glut.
Handlung
Adahm und Chawa, die ersten Menschen, leben mit ihren Söhnen Kajin und Chabel nach der Vertreibung aus dem Paradies. Zwischen den ungleichen Brüdern wächst die Spannung: Der sinnliche, rebellische Kajin und der sanfte, fromme Chabel ringen um die Gunst der Mutter und um das erwachende Begehren. Als sich die Leidenschaft entlädt, erschlägt Kajin den Bruder Chabel. Zurück bleiben die ersten Menschen, erschüttert von Schuld, Tod und der dunklen Macht des Eros, die mit der Menschheit in die Welt gekommen ist.
Kulturelle Bedeutung
Die ersten Menschen gilt als das bedeutendste Vermächtnis Rudi Stephans, dessen früher Tod als einer der großen Verluste der deutschen Musik des 20. Jahrhunderts gilt. Lange nur Kennern bekannt, erlebt das expressionistische Werk in jüngerer Zeit eine Renaissance – u. a. als gefeierte „Wiederentdeckung des Jahres" an der Oper Frankfurt – und wird für seine kühne Verbindung von Mythos, Erotik und Klangrausch bewundert.
