Über das Werk
Die Blechtrommel ist ein Theaterabend nach dem gleichnamigen Roman von Günter Grass (1959), einem Meilenstein der deutschen Nachkriegsliteratur. Die vielgespielte Bühnenfassung stammt von Oliver Reese, der den Roman zu einem Soloabend verdichtete: Ein einziger Schauspieler – am Berliner Ensemble Nico Holonics – verkörpert Oskar Matzerath. Die Fassung wurde 2015 am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt und wechselte 2017 mit Reeses Intendanzantritt ans Berliner Ensemble, wo sie seither regelmäßig auf dem Spielplan steht.
Handlung
Oskar Matzerath, geboren 1924 im Danzig der heraufziehenden NS-Zeit, erkennt schon als Kind die Welt der Erwachsenen als Katastrophe und lehnt sie ab. An seinem dritten Geburtstag beschließt er, nicht mehr zu wachsen, und zieht sich auf die Rolle des Beobachters und Trommlers zurück. Mit seiner rot-weißen Blechtrommel und einer Stimme, die Glas zersingen kann, begleitet und kommentiert er den Aufstieg des Faschismus, Krieg, Schuld und das kleinbürgerliche Leben um ihn herum. Die groteske Biografie des ewigen Trommlers wird zur Abrechnung mit einer Epoche.
Kulturelle Bedeutung
Grass' Roman gehört zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts und trug wesentlich zum Literaturnobelpreis 1999 bei; Volker Schlöndorffs Verfilmung von 1979 gewann die Goldene Palme und den Oscar. Oliver Reeses Bühnenfassung gilt als Ausnahmeerscheinung des deutschen Theaters: Über zehn Jahre und weit mehr als hundert Vorstellungen hinweg wurde der Soloabend mit Nico Holonics von Publikum und Kritik – bis hin zur New York Times – gefeiert und zählt zu den prägenden Produktionen des Berliner Ensembles.
