Über das Werk
„Die Ausweichschule“ ist der zweite Roman von Kaleb Erdmann, erschienen Ende Juli 2025 bei park x ullstein. Das autofiktionale Buch kreist um den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium vom 26. April 2002, den der Autor selbst als Fünftklässler an der Schule erlebt hat. Für die Bühne sind mehrere Fassungen angekündigt; die erste, eingerichtet von Robin Ormond, soll am 14. Januar 2027 am Deutschen Nationaltheater Weimar uraufgeführt werden.
Handlung
Der namenlose Ich-Erzähler war elf Jahre alt, als ein ehemaliger Schüler an seinem Gymnasium sechzehn Menschen erschoss. Mehr als zwanzig Jahre danach will er, inzwischen Schriftsteller, über diesen Tag und die Zeit danach ein Buch schreiben, auch über den Unterricht in einem Ersatzgebäude, der titelgebenden Ausweichschule. Seine Erinnerungen erweisen sich als lückenhaft und durchsetzt von Presseberichten und fremden Erzählungen. Als eine Dramatikerin ihn mehrmals befragt, weil sie ein Theaterstück über den Amoklauf plant, wird die Frage drängender, wer diese Geschichte erzählen darf und ob das Schreiben alte Wunden wieder aufreißt.
Kulturelle Bedeutung
Der Roman stand 2025 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und brachte Erdmann 2026 den Förderpreis des Bremer Literaturpreises ein. Die Kritik fiel geteilt aus: Die Frankfurter Rundschau lobte die Selbstreflexion des Romans, der Deutschlandfunk die Verbindung von Autofiktion mit der Frage, wie sich Gewalt darstellen lässt; die Zeit fand das Buch dagegen handwerklich schwach.
