Über das Werk
Bertolt Brecht arbeitete zwischen 1926 und 1930 gemeinsam mit Elisabeth Hauptmann an diesem Dramenfragment, das er nie abschloss und zu Lebzeiten nicht veröffentlichte. Erst 1976, zwanzig Jahre nach Brechts Tod, brachte Frank-Patrick Steckel eine aus den Fragmenten rekonstruierte Fassung am 11. März an der Schaubühne am Halleschen Ufer in West-Berlin zur Uraufführung. Zwei Jahre später erarbeiteten Heiner Müller sowie Manfred Karge und Matthias Langhoff eine vielbeachtete eigene Bühnenfassung.
Handlung
Vier deutsche Soldaten desertieren im Ersten Weltkrieg bei Mülheim an der Ruhr. Der selbstbezogene Fatzer überredet seine Kameraden Büsching, Kaumann und Koch zur Flucht und verspricht ihnen Unterschlupf bei Kaumanns Familie. Als Fatzer die Gruppe durch seine Rücksichtslosigkeit gefährdet und Kaumanns Frau verführt, zerbricht der Zusammenhalt; nach einem gescheiterten Selbstmordversuch werden die vier vom Militär umstellt und sterben bei einer Explosion. Im Zentrum steht der Konflikt zwischen egoistischem Einzelnem und kollektiver Disziplin.
Kulturelle Bedeutung
Das nie vollendete Fatzer-Material gilt unter Brecht-Forschern als eines seiner radikalsten Werke; Heiner Müllers Auseinandersetzung damit machte es zu einem Bezugspunkt für spätere collagenhafte, autorenoffene Theaterformen.