Über das Werk
Der steinerne Gast ist die letzte, unvollendete Oper des russischen Komponisten Alexander Dargomyschski nach Alexander Puschkins gleichnamiger „kleiner Tragödie“ von 1830. Dargomyschski vertonte Puschkins Text nahezu unverändert und verzichtete auf geschlossene Arien und Chöre zugunsten eines durchgehenden, deklamatorischen Gesangs, des „melodischen Rezitativs“. Nach seinem Tod 1869 vollendete César Cui die letzten Takte, Nikolai Rimski-Korsakow instrumentierte das Werk gemäß Dargomyschskis letztem Wunsch; die Uraufführung fand am 16. Februar 1872 am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg statt.
Handlung
Don Juan kehrt heimlich aus der Verbannung nach Madrid zurück und verführt Donna Anna, die Witwe des Komturs, den er einst im Duell getötet hat. Aus Übermut lädt er die Statue des Komturs zu einem nächtlichen Stelldichein an dessen Grab ein. Die steinerne Statue erscheint tatsächlich, ergreift Don Juan bei der Hand und zieht ihn mit sich in die Tiefe.
Kulturelle Bedeutung
Mit seinem durchkomponierten, textnahen Rezitativstil wurde das Werk zum Vorbild für die Komponistengruppe der „Mächtigen Handvoll“; Modest Mussorgski nannte Dargomyschski einen „großen Lehrmeister der musikalischen Wahrheit“. Rimski-Korsakow überarbeitete seine Instrumentierung 1903 erneut; diese Fassung, uraufgeführt 1907 am Bolschoi-Theater, gilt heute als Standardversion.