Über das Werk
„Der Nazi & der Friseur“ ist ein grotesk-satirischer Roman des deutsch-jüdischen Schriftstellers Edgar Hilsenrath, der seither mehrfach für die Bühne eingerichtet wurde, unter anderem in der hier vorliegenden Inszenierung des Staatsschauspiels Dresden. Hilsenrath schrieb den Roman auf Deutsch, doch da über sechzig deutsche Verlage die Veröffentlichung ablehnten, erschien er zunächst 1971 in den USA in englischer Übersetzung; die deutschsprachige Originalfassung folgte erst 1977 in einem kleinen Kölner Verlag.
Handlung
Der SS-Mann Max Schulz ermordet im Konzentrationslager seinen jüdischen Kindheitsfreund Itzig Finkelstein und nimmt nach Kriegsende dessen Identität an, komplett mit einer sich selbst zugefügten KZ-Häftlingstätowierung. Als vermeintlicher „Itzig Finkelstein“ baut er sich zunächst als Schwarzhändler in Berlin eine neue Existenz auf, bevor er 1947 nach Palästina emigriert, dort eine überlebende Jüdin heiratet und schließlich als angesehener Friseur in Israel lebt.
Kulturelle Bedeutung
Der Roman gilt als einer der ersten deutschsprachigen Texte, die den Holocaust konsequent aus der Perspektive eines Täters erzählen, und löste bei seinem Erscheinen heftige Debatten über die Zulässigkeit dieser grotesken Erzählweise aus. Heinrich Böll gehörte zu den frühen Fürsprechern des Werks; seither wird der Stoff wiederholt für die Bühne bearbeitet, so auch am Staatsschauspiel Dresden (Regie Monique Séjourné, Premiere 6. Februar 2020).