Über das Werk
Barockes Opern-Pasticcio in fünf Akten („scherzthafftes Sing-Spiel“) nach einem Libretto von Johann Philipp Praetorius, der sich auf Thomas Corneilles Komödie „Le Geôlier de soi-même“ (1655) stützte. Uraufgeführt 1726 an der Oper am Gänsemarkt in Hamburg, komponierte Reinhard Keiser den Großteil selbst und ergänzte ihn mit Arien von Antonio Caldara, Francesco Gasparini und anderen Komponisten sowie mit wiederverwendeter eigener Musik – darunter Rezitative aus der 1680 in Hamburg gespielten, auf denselben Corneille-Stoff zurückgehenden Jodelet-Oper „Sein selbs Gefangener“ von Johann Wolfgang Franck.
Handlung
Im mittelalterlichen Süditalien werden der flüchtige Kronprinz Federic und der arme Müßiggänger Jodelet miteinander verwechselt. Während sich der echte Prinz unter falschem Namen der Prinzessin Laura nähert, sitzt der vermeintliche Prinz Jodelet im Gefängnis. Nach Aufklärung der Verwechslung besiegeln zwei Hochzeiten den Frieden zwischen Neapel und Sizilien.
Kulturelle Bedeutung
Als Pasticcio bündelt das Werk Musik mehrerer Komponisten mit Material einer 46 Jahre älteren Hamburger Oper zum selben komischen Stoff – ein Verfahren, mit dem die Gänsemarktoper erfolgreiche Musik wiederverwendete. Bei der Uraufführung sang die gefeierte Sopranistin Margaretha Susanna Kayser die Partie der Erminda; eine Neuinszenierung 2004 unter Alessandro De Marchi geriet dagegen wegen „visueller Anachronismen“ in die Kritik.