Über das Werk
Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung ist eine Tragikomödie in fünf Aufzügen von Jakob Michael Reinhold Lenz, die 1774 anonym erschien und zunächst Goethe zugeschrieben wurde. Als einziges Lenz-Drama wurde es noch zu Lebzeiten des Autors uraufgeführt: Am 22. April 1778 brachte Friedrich Ludwig Schröders Schauspielertruppe das Stück am Hamburger Theater am Gänsemarkt auf die Bühne.
Handlung
Der mittellose Theologe Läuffer wird Hauslehrer beim preußischen Major von Berg und verliebt sich in dessen Tochter Gustchen; die Affäre führt zu einer Schwangerschaft, worauf Läuffer aus Angst vor Entdeckung flieht. In seiner Verzweiflung entmannt er sich selbst, während Gustchen nach Kindsverlust und Odyssee schließlich zu ihrem Cousin Fritz zurückfindet, der sie trotz allem heiratet. Läuffer verheiratet sich derweil mit einer einfachen Bauerntochter.
Kulturelle Bedeutung
Das Stück gilt als eines der bedeutendsten Dramen des Sturm und Drang und übt scharfe Kritik an der Standeserziehung und der Willkür des Adels gegenüber Hauslehrern. Bertolt Brecht widmete Lenz 1940 ein Sonett und bearbeitete den Hofmeister 1950 für das Berliner Ensemble, wodurch das Stück im 20. Jahrhundert eine zweite Wirkungsgeschichte erhielt.