Über das Werk
Barockoper in drei Akten von Reinhard Keiser nach einem Libretto von Lucas von Bostel, der ein 1678 für Kaiser Leopold I. vertontes italienisches Libretto von Nicolò Minato bereits für Johann Philipp Förtschs gleichnamige Hamburger Oper (1684) ins Deutsche übertragen und nun für Keiser überarbeitet hatte. Die Uraufführung fand 1711 an der Oper am Gänsemarkt in Hamburg statt; 1730 legte Keiser dort eine grundlegend umgearbeitete Fassung mit rund 37 neuen Arien und reicherer Orchestrierung vor, von der allein die vollständige Partitur erhalten ist.
Handlung
Der hochmütige König Croesus von Lydien schlägt die Warnung des Weisen Solon vor der Vergänglichkeit irdischen Reichtums in den Wind. Sein stummer Sohn Atis liebt heimlich die persische Prinzessin Elmira; als der Perserkönig Cyrus in Lydien einfällt und Croesus gefangen nimmt, gewinnt Atis vor Schreck seine Sprache zurück, um seinen Vater zu retten. Erst als der zum Tode verurteilte Croesus sich an Solons Warnung erinnert, wird er begnadigt, und die Liebespaare finden zueinander.
Kulturelle Bedeutung
Croesus zählt zu den originellsten Partituren der Hamburger Gänsemarktoper: Statt vieler Da-capo-Arien setzt Keiser auf kurze, freie Formen und Duette und verwendet als eines der ersten Opernorchester das Chalumeau, den Vorläufer der Klarinette. Nachdem das Werk jahrhundertelang nur in der Fassung von 1730 überliefert war, kam es 1990 in Paris zu einer vielbeachteten szenischen Wiederentdeckung.
