Über das Werk
Candide ist eine komische Operette von Leonard Bernstein, uraufgeführt am 1. Dezember 1956 am Martin Beck Theatre in New York. Sie beruht auf Voltaires satirischer Novelle „Candide oder der Optimismus" von 1759. Das ursprüngliche Buch stammte von Lillian Hellman; die heute maßgebliche Fassung wurde 1973/74 von Hugh Wheeler neu eingerichtet. Die Liedtexte schrieben unter anderem Richard Wilbur, John Latouche, Dorothy Parker, Stephen Sondheim und Bernstein selbst. Bernsteins Partitur verbindet Broadway-Schwung mit der Kunstfertigkeit der europäischen Operette und Anklängen an Walzer, Tango, Gavotte und Schottische. Die brillante Ouvertüre zählt zu den meistgespielten Konzertstücken des amerikanischen Repertoires, und die halsbrecherische Koloraturarie „Glitter and Be Gay" gilt als Prüfstein für lyrische Soprane. Das Werk pendelt zwischen Musical, Operette und Oper – eine Zwitterstellung, die seine wechselvolle Bearbeitungsgeschichte miterklärt.
Handlung
Der naive Candide wächst auf Schloss Thunder-ten-Tronckh auf, wo ihn der Philosoph Pangloss lehrt, alles geschehe zum Besten in der „besten aller möglichen Welten". Aus dem Paradies vertrieben, weil er die schöne Kunigunde liebt, durchirrt Candide die Welt und erlebt eine Kette von Katastrophen: Krieg, das Erdbeben von Lissabon, die Inquisition, Raub und Verrat. Über Buenos Aires, das sagenhafte Goldland Eldorado, Surinam und Venedig kreuzen sich seine Wege immer wieder mit Kunigunde, dem eitlen Maximilian, der alten Dame und dem Diener Cacambo. Am Ende, aller Illusionen über den Weltlauf beraubt, verwirft Candide den naiven Optimismus seines Lehrers und zieht sich mit den Seinen aufs Land zurück, um – wie es im berühmten Schlusschor heißt – schlicht „seinen Garten zu bestellen".
Kulturelle Bedeutung
Candide hatte 1956 zunächst nur mäßigen Erfolg und wurde über Jahrzehnte immer wieder umgearbeitet, bis sich die Wheeler-Fassung durchsetzte. Heute gilt das Werk als eines der musikalisch reichsten Stücke des amerikanischen Musiktheaters und wird sowohl an Opern- als auch an Musicalhäusern gespielt. Voltaires Spott über die Leibniz'sche These von der besten aller möglichen Welten erhält bei Bernstein eine schillernde, zugleich bittersüße Klanggestalt; der Schlusschor „Make Our Garden Grow" wurde zu einer humanistischen Hymne, die Resignation und Tatkraft zugleich beschwört.
