Über das Werk
Bérénice ist eine Tragödie in fünf Akten und Versen von Jean Racine, uraufgeführt am 21. November 1670 im Pariser Hôtel de Bourgogne mit Marie Champmeslé in der Titelrolle. Racine geht von einem einzigen Satz des römischen Historikers Sueton aus, der berichtet, Kaiser Titus habe die Königin Bérénice „obwohl er nicht wollte, obwohl sie nicht wollte" (invitus invitam) fortgeschickt, und baut daraus eine Tragödie fast ganz ohne äußere Handlung.
Handlung
Kaiser Titus liebt Königin Bérénice, darf sie aber nach römischem Recht nicht heiraten, weil der Senat keine ausländische Herrscherin als Kaiserin duldet. Auch König Antiochus von Kommagene liebt Bérénice insgeheim, ohne Erwiderung zu finden. Die Handlung besteht allein darin, dass Titus seine unausweichliche Entscheidung immer wieder hinausschiebt, bis er sich am Ende von Bérénice trennt und beide getrennt in Trauer zurückbleiben.
Kulturelle Bedeutung
Mit nur 1506 Versen, 29 Szenen und drei Hauptfiguren gilt Bérénice als Racines schlankstes Werk und wurde zur Formel für die „erhabene Traurigkeit" der klassischen Tragödie. Eine Woche nach der Premiere brachte Molières Truppe Corneilles Konkurrenzstück zum selben Stoff heraus; das Publikum bevorzugte dauerhaft Racines Fassung.