Über das Werk
Antikrist ist eine Oper („kirchliches Mysterium") in einem Vorspiel und sechs Bildern von Rued Langgaard, der auch das Libretto verfasste – inspiriert von der Offenbarung des Johannes. Der dänische Komponist arbeitete von 1921 bis in die 1930er Jahre an dem Werk, das zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt wurde. Die szenische Uraufführung fand erst Jahrzehnte nach seinem Tod statt; 2022 brachte die Deutsche Oper Berlin Antikrist in der Regie von Ersan Mondtag heraus.
Handlung
In einer apokalyptischen Vision gestattet Gott dem Luzifer, den Antichrist für eine Stunde auf die Erde zu senden, ehe das Jüngste Gericht anbricht. Der Antichrist hat keine einzelne Gestalt, sondern erscheint in einer Folge allegorischer Verkörperungen – darunter Hochmut, Lüge, Hass, Verzweiflung und der „Mund, der große Worte spricht". In bildmächtigen Szenen entfaltet sich kein konventionelles Handlungsdrama, sondern ein symbolistisches Mysterienspiel über Verblendung, Endzeit und das Wesen des Bösen.
Kulturelle Bedeutung
Antikrist gilt als Hauptwerk Rued Langgaards, eines lange verkannten dänischen Außenseiters der Musikgeschichte. Die kühne, zwischen Spätromantik und Moderne changierende Partitur und das radikal unkonventionelle Libretto machten eine Aufführung zu Lebzeiten unmöglich. Erst die Wiederentdeckung Langgaards im späten 20. Jahrhundert rückte das Werk ins Licht; die gefeierte Berliner Inszenierung von 2022 bestätigte seine Wucht als apokalyptisches Musiktheater.
