Über das Werk
Tragedia per musica in drei Akten von Tommaso Traetta nach einem Libretto von Marco Coltellini, das auf Sophokles' Tragödie zurückgeht. Die Oper wurde am 31. Oktober (julianisch) / 11. November 1772 (gregorianisch) am Kaiserlichen Hoftheater in Sankt Petersburg uraufgeführt, wo Traetta seit 1768 als Hofkapellmeister Katharinas II. wirkte. Gegenüber Sophokles verändert das Libretto den tragischen Ausgang zu einem versöhnlichen Schluss.
Handlung
Nach dem gegenseitigen Tod der verfeindeten Brüder Eteocle und Polinice ordnet König Creonte an, nur Eteocle zu bestatten. In der Nacht verbrennt Antigona heimlich den Leichnam ihres Bruders Polinice und wird dafür zum Tode verurteilt. Im dritten Akt bereut Creonte sein Urteil und begnadigt sie – die Oper endet mit der Hochzeit von Antigona und ihrem Geliebten Emone.
Kulturelle Bedeutung
Anders als in den meisten Vertonungen des Coltellini-Librettos bricht Traetta die strenge Da-capo-Form auf und gibt dem Chor ungewöhnliches Gewicht; man hat darin einen „menschlicheren“ Tonfall erkannt, der bereits auf Mozart vorausweist. Nach der Uraufführung geriet Antigona für fast zwei Jahrhunderte in Vergessenheit, bis das Maggio Musicale Fiorentino sie 1962 wieder auf die Bühne brachte; seither zählt sie zu Traettas meistgespielten Werken im deutschsprachigen Raum, etwa an der Wiener Kammeroper und dem Theater Osnabrück.