Über das Werk
Alexandre le Grand ist Racines zweite Tragödie, in fünf Akten und Versen, uraufgeführt am 4. Dezember 1665 im Théâtre du Palais-Royal durch die Truppe Molières. Racine folgt dem antiken Historiker Quintus Curtius Rufus und schildert Alexanders Indienfeldzug; das Stück gilt als galantes Jugendwerk, in dem sich Racines spätere psychologische Schärfe bereits ankündigt.
Handlung
Alexander der Große fällt in Indien ein. König Taxile sucht mit Alexander Frieden, sein Verbündeter Porus leistet stolz Widerstand; beide werben um Königin Axiane, die Porus' Kampfeswillen bewundert. Nach seinem Sieg über Porus zeigt sich Alexander großmütig: Er lässt den Besiegten am Leben und gibt ihm sein Königreich zurück.
Kulturelle Bedeutung
Nur elf Tage nach der Premiere ließ Racine dasselbe Stück heimlich zusätzlich von der konkurrierenden, für Tragödien angeseheneren Truppe des Hôtel de Bourgogne aufführen – ein Bruch, der das endgültige Zerwürfnis mit Molière einleitete. Kritiker rühmten am jungen Racine bereits den „galanten und heroischen Geschmack", der über die reine Liebesintrige hinaus erste Ansätze psychologischer Tiefe erkennen lässt.
