Das Schauspiel Leipzig am Bowling-Green gegenüber der Oper ist eines der bedeutendsten deutschen Sprechtheater und geht auf eine bis 1766 zurückreichende Theatertradition zurück — damals als Theater am Rannstädter Thor unter der Theaterreformerin Friederike Caroline Neuber, die hier gegen die Stegreif-Komödie und für ein literarisches Schauspiel kämpfte. Der heutige Neubau am Augustusplatz, eröffnet 2002 nach Entwürfen von Behet Bondzio Lin Architekten, ersetzte das in den 1990er Jahren abgerissene Vorgängergebäude aus der DDR-Zeit. Das Haus verfügt über drei Spielstätten: die Große Bühne mit 844 Sitzen, die Diskothek als flexible zweite Spielstätte und die experimentelle Hinterbühne. Unter der Intendanz von Enrico Lübbe (seit 2013) wurde das Schauspiel Leipzig mehrfach zum Theater des Jahres gewählt und international beachtet; Inszenierungen von Armin Petras, Claudia Bauer und Philipp Preuss wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Das Haus pflegt ein dezidiert politisches und formal experimentelles Profil und gilt als eines der wichtigsten ostdeutschen Ensembletheater nach der Wende.
Die hier wirkende Theaterreformerin Friederike Caroline Neuber verbrannte 1737 symbolisch den Hanswurst auf offener Bühne — ein historischer Akt, der das deutsche Literaturtheater gegen die Stegreifkomödie durchsetzte.
