Über das Werk
Johann Wolfgang von Goethes Bildungsroman in acht Büchern erschien 1795/96 und gilt als Urtyp der Gattung — jede spätere deutsche Bildungsroman-Tradition von Keller über Mann bis Grass geht durch dieses Buch hindurch. Als Bühnenwerk existieren zahlreiche Adaptionen, darunter mehrstündige Kompilationen mit den eingeschobenen Theaterszenen des Romans, die Goethe selbst auf dem Theater aufgeführt sehen wollte.
Handlung
Der junge Kaufmannssohn Wilhelm Meister verlässt das bürgerliche Leben und schließt sich einer Wandertheatertruppe an, um sich als Schauspieler und Theaterdichter zu verwirklichen. Er inszeniert einen Hamlet, in den er eigene Reflexionen einfügt. Zugleich begegnet er mysteriösen Gestalten — Mignon, einem kindhaften italienischen Mädchen, und dem alten Harfner. Über Jahre hinweg erkennt Wilhelm, dass das Theater für ihn nicht das Ziel, sondern nur ein Durchgang war. Am Ende findet er seinen Platz im Kreis der Turmgesellschaft, einer Geheimgruppe, die Menschen zu ihrer Bestimmung führt.
Kulturelle Bedeutung
Die Lehrjahre sind eines der einflussreichsten Werke der deutschen Literatur und enthalten in den Wilhelm Meister-Gedichten einige der bekanntesten Verse deutscher Sprache (Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn). Bühnenadaptionen reichen von Peter Steins monumentaler Schaubühnen-Inszenierung der 1980er bis zu neueren Arbeiten von Tilmann Köhler. Franz Schuberts Vertonungen der Mignon- und Harfner-Gedichte bleiben im Konzertrepertoire zentral.
