Über das Werk
Samuel Becketts Drama in zwei Akten („En attendant Godot", „Waiting for Godot") wurde 1953 in Paris uraufgeführt — auf Französisch, da Beckett, der Ire, in Paris lebte und das Stück zuerst auf Französisch schrieb. Die englische Fassung erschien 1955 in London. Das Werk gilt als Gründungstext des absurden Theaters und einer der wichtigsten Texte des 20. Jahrhunderts.
Handlung
Auf einer Landstraße, „un arbre, soir" (ein Baum, Abend) — die Bühnenanweisung beschreibt fast das ganze Bühnenbild. Zwei alte Männer, Wladimir (Didi) und Estragon (Gogo), warten — auf Godot. Sie wissen nicht genau, wer Godot ist, ob sie ihn schon kennen, ob er heute kommt, was er ihnen verspricht. Während sie warten, vertreiben sie sich die Zeit mit Wortspielen, Streit, Versöhnung, dem Versuch sich aufzuhängen, dem Studieren ihrer Schuhe und Hüte. Es erscheinen Pozzo, ein dominanter Reisender mit Peitsche, und sein Diener Lucky, an einem Strick. Lucky hält auf Befehl einen sinnlosen, brillanten Monolog. Sie ziehen weiter. Ein Junge erscheint und meldet, dass „Mr. Godot" heute nicht kommt, aber sicher morgen. Zweiter Akt: scheinbar derselbe Tag — Pozzo nun blind, Lucky stumm, der Baum hat ein paar Blätter. Wieder Junge, wieder Botschaft, dass Godot morgen kommt. Schluss: „Wollen wir gehen?" — „Ja, gehen wir." — Sie bewegen sich nicht.
Kulturelle Bedeutung
Warten auf Godot ist eines der meistgespielten Stücke des 20. Jahrhunderts und Schlüsseltext der Existenzphilosophie nach 1945. Die Frage „Wer ist Godot?" verweigert Beckett konsequent — die berühmteste Antwort: „Wenn ich es wüsste, hätte ich es im Stück gesagt." Inszenierungen reichen von Roger Blin (Uraufführung) über Walter Asmus (Beckett-Schüler), Peter Hall, Andrei Șerban bis zu Patrick Stewart und Ian McKellen 2009. Die Aufführung im San Quentin State Prison 1957 ist legendär — die Häftlinge verstanden das Warten am besten.
