Über das Werk
„Venere e Adone" ist die fünfzehnte Oper des italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino, komponiert 2020 auf ein Libretto von Fabio Casadei Turroni und dem Komponisten selbst. Die Uraufführung fand am 28. Mai 2023 an der Hamburgischen Staatsoper statt, die das Werk in Auftrag gegeben hatte. Vom 26. Juni bis 1. Juli 2026 zeigt das Teatro La Fenice in Venedig die italienische Erstaufführung – Regie Georges Delnon, musikalische Leitung Kent Nagano. Sciarrino, einer der einflussreichsten Komponisten der Gegenwart, ist für seine extrem leise, von Stille und feinsten Klangereignissen geprägte Musiksprache bekannt.
Handlung
Hauptquelle des Librettos ist das Versepos „L'Adone" (1623) von Giovan Battista Marino, das den antiken Mythos von Venus und Adonis erzählt. Marino – und ihm folgend die Oper – rückt den Eber besonders in den Vordergrund, ein als „Monster" (Il Mostro) bezeichnetes Wesen, das Adonis tötet. Die Oper kreist um das Verhältnis von Tod und Liebe und stellt beide gleichsam als Rivalen gegenüber, mit der Frage, welche Macht am Ende die stärkere ist. In Sciarrinos Vertonung wird der Mythos zu einer Meditation über Begehren, Vergänglichkeit und Auflösung – getragen von einer Klangwelt aus Hauchen, Flirren und plötzlichem Aufscheinen.
Kulturelle Bedeutung
Salvatore Sciarrino gilt als einer der bedeutendsten lebenden Opernkomponisten; sein Musiktheater hat die Gattung mit einer unverwechselbaren Ästhetik der Stille und der hochsensiblen Klangführung erneuert. „Venere e Adone" reiht sich in eine lange Folge eigenständiger Opern ein und verbindet die Auseinandersetzung mit dem barocken Marino-Epos mit Sciarrinos charakteristischer Reduktion. Die Hamburger Uraufführung 2023 und die venezianische Erstaufführung 2026 am Teatro La Fenice unter Kent Nagano unterstreichen den internationalen Rang des Werks und das anhaltende Interesse großer Häuser an Sciarrinos Schaffen.
