Urfaust
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Urfaust

Johann Wolfgang von Goethe
Theater · 1775

Über das Werk

Johann Wolfgang von Goethes erste Fassung des Faust-Stoffs, entstanden zwischen 1772 und 1775, blieb zu Goethes Lebzeiten unveröffentlicht und wurde erst 1887 von der Literaturhistorikerin Erich Schmidt in einer Abschrift der Hofdame Luise von Göchhausen wiederentdeckt. Der Urfaust konzentriert sich auf die Gretchen-Tragödie und die ersten Faust-Monologe; die philosophischen Erweiterungen, der Prolog im Himmel und die Teufelspakt-Szene fehlen noch — das Stück ist roh, direkt und dramatisch dichter als die spätere Fassung.

Handlung

Der alternde Gelehrte Faust, an der Nutzlosigkeit akademischen Wissens verzweifelnd, begegnet dem jungen Gretchen und verführt sie. Mephistopheles führt ihn in Auerbachs Keller und zur Hexenküche. Gretchen wird schwanger, ihre Mutter und ihr Bruder Valentin sterben, das Kind wird geboren und ertränkt. Gretchen landet im Kerker, wahnsinnig vor Schuld. Faust bietet ihr die Flucht — sie weigert sich und übergibt sich Gottes Gericht. Das Stück endet mit Mephistos Ruf Sie ist gerichtet!

Kulturelle Bedeutung

Der Urfaust ist eines der wichtigsten Dokumente des Sturm und Drang und zeigt Goethes frühesten dramatischen Genius in kondensierter Form. Seit seiner Wiederentdeckung gilt er Regietheaterschaffenden als die reinere, ungefilterte Fassung der Tragödie. Produktionen von Claus Peymann am Schauspielhaus Bochum 1977 und Frank Castorf an der Volksbühne Berlin haben den Urfaust als eigenständiges Werk etabliert, das die spätere Faust I-Fassung an emotionaler Unmittelbarkeit übertrifft.

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