Trommeln in der Nacht
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Trommeln in der Nacht

Bertolt Brecht
Theater · 1922
DramaEpisches Theater

Über das Werk

Bertolt Brechts zweites Drama wurde 1922 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt und brachte dem jungen Autor den Kleist-Preis. Das Stück spielt in den Revolutionstagen 1918/19 in Berlin und ist Brechts einziges Werk, das den Spartakusaufstand und den deutschen Novemberumsturz direkt verarbeitet. Es gehört zur frühen, noch expressionistisch geprägten Phase Brechts vor dem Wechsel zum epischen Theater.

Handlung

Der Soldat Andreas Kragler kehrt nach vier Jahren afrikanischer Kriegsgefangenschaft nach Berlin zurück — just in den Revolutionstagen 1918. Seine Verlobte Anna, die ihn tot glaubte, ist schwanger vom opportunistischen Fabrikantensohn Friedrich Murk. In den Straßen tobt der Aufstand. Kragler steht vor der Wahl: Sich den Revolutionären im Zeitungsviertel anschließen und mit ihnen kämpfen, oder Anna zurücknehmen und zu ihr ins Bett gehen. Er wählt das Bett und ruft ins Publikum: „Soll ich blutend in der Dreckpfütze ersaufen, damit ihr sauber ist?" Ein ernüchtertes, zynisches Schluss-Statement zur Revolution.

Kulturelle Bedeutung

Trommeln in der Nacht ist Brechts kontroverseste Frühschrift — er selbst verwarf die apolitische Schluss-Entscheidung Kraglers später als „den schlimmsten Fehler, den ich je gemacht habe". Das Stück zeigt aber gerade in seiner Ambivalenz die historische Desillusionierung der Nachkriegsgeneration. Volker Löschs Inszenierung 2003 am Schauspielhaus Hamburg machte es zur Parabel auf zeitgenössisches Aussteigertum, Thomas Ostermeier inszenierte es 2017 an der Schaubühne als Kommentar auf politische Passivität.

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