Über das Werk
August Strindbergs Kammerspiel „Totentanz" („Dödsdansen") entstand 1900 und gehört zu den bedeutendsten Ehedramen der Weltliteratur. In klaustrophobischer Enge zeigt es einen über Jahrzehnte gewachsenen Vernichtungskampf zwischen Mann und Frau. Das Stück gilt als Vorläufer des absurden Theaters und unmittelbares Vorbild für Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?".
Handlung
Der pensionierte Artilleriehauptmann Edgar und seine Frau Alice, eine ehemalige Schauspielerin, leben isoliert in einem Festungsturm auf einer Insel, die sie selbst „die kleine Hölle" nennen. Kurz vor ihrer silbernen Hochzeit ist ihre Ehe ein eingespieltes System gegenseitiger Quälerei, Verachtung und Abhängigkeit. In diese vergiftete Welt tritt Kurt, Alices Vetter und alter Freund, der eine Quarantänestation auf der Insel leiten soll. Der Hauptmann zieht ihn in seine Intrigen, demütigt ihn und versucht ihn zu ruinieren; Alice wiederum verführt Kurt, um sich an ihrem Mann zu rächen. Zwischen den dreien entspinnt sich ein vampirhaftes Spiel aus Anziehung, Hass und Manipulation. Als den Hauptmann ein Schlaganfall trifft, verschiebt sich das Machtgefüge — doch das Paar bleibt bis zuletzt aneinandergekettet, unfähig zu lieben wie zu lassen.
Kulturelle Bedeutung
„Totentanz" ist ein Meilenstein des modernen psychologischen Dramas. Strindbergs schonungslose Anatomie einer zerstörerischen Ehe nahm die Beziehungsdramen des 20. Jahrhunderts vorweg und beeinflusste Autoren von Eugene O'Neill bis Edward Albee unmittelbar. Das Stück gehört zum festen Repertoire der internationalen Bühnen; Inszenierungen mit großen Schauspielerpaaren gelten als Bewährungsproben des Charakterfachs.
