Über das Werk
Torquato Tasso ist ein Schauspiel in fünf Aufzügen von Johann Wolfgang von Goethe, das den italienischen Dichter Torquato Tasso (1544–1595) in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Das Stück, das sich streng an die klassische Regel von den drei Einheiten des Orts, der Zeit und der Handlung hält, entstand zwischen dem 30. März 1780 und dem 31. Juli 1789. Im Februar 1790 lag das Werk im Druck vor, wurde aber erst am 16. Februar 1807 in Weimar uraufgeführt.
Handlung
Schauplatz ist Belriguardo, ein Lustschloss des Herzogs Alfons II. von Ferrara. Der junge Dichter Tasso überreicht dem Herzog sein vollendetes Epos „Das befreite Jerusalem“; die Prinzessin Leonore von Este, Schwester des Herzogs, bekränzt ihn mit dem Lorbeer Vergils. Tasso ist tief bewegt, denn er liebt die Prinzessin heimlich. Da kehrt Antonio Montecatino, der weltgewandte Staatssekretär des Herzogs, von einer erfolgreichen Mission aus Rom zurück. Kunstfern und nüchtern, begegnet er dem empfindsamen Dichter mit Spott. Gekränkt zieht Tasso den Degen und fordert Antonio heraus — ein schwerer Verstoß gegen die höfische Ordnung. Der Herzog belegt Tasso mit milder Zimmerhaft, doch dieser empfindet die Strafe als tiefe Ungerechtigkeit. Auf Wunsch des Herzogs soll Antonio sich mit Tasso versöhnen; die Gräfin Leonore Sanvitale vermittelt, verfolgt dabei aber eigene Absichten — sie möchte den Dichter und seinen Ruhm für sich gewinnen. Tasso, zunehmend von Misstrauen zerfressen, glaubt sich von allen verraten. Beim Abschied gesteht ihm die Prinzessin eine — rein freundschaftlich gemeinte — Zuneigung; im Überschwang seiner Gefühle umarmt Tasso sie, woraufhin sie ihn entsetzt zurückweist. Dieser Etikettenbruch besiegelt sein Schicksal: Er ist nun ein Ausgestoßener. Herzog, Prinzessin und Gräfin verlassen den Landsitz; selbst sein Werk gehört nicht mehr ihm. Verzweifelt und sich seiner schwankenden Natur bewusst, klammert sich Tasso zuletzt an den überlegenen Antonio, seinen vermeintlichen Feind — „wie der Schiffer an den Felsen, an dem er scheitern sollte“. Ihm bleibt allein die Gabe der Dichtung: „Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, / Gab mir ein Gott, zu sagen, wie ich leide.“
Kulturelle Bedeutung
Goethe lernte Tassos Hauptwerk Das befreite Jerusalem durch eine 1744 publizierte deutschsprachige Übersetzung kennen, die sich im Besitz seines Vaters befand. Die Einleitung des Herausgebers Johann Friedrich Kopp und Aufsätze Wilhelm Heinses in der Zeitschrift Iris gaben ihm Bezug zu Tassos Biografie. Im März 1780 begann Goethe mit der Niederschrift des Stückes, im November desselben Jahres beendete er den ersten Akt. Nach monatelanger Unterbrechung nahm der Autor die Arbeiten am 19. April 1781 wieder auf und trug Herzogin Luise am 25. August im Tiefurt die beendeten Abschnitte vor. Ein heute verschollenes Manuskript erhielt auch Barbara Schulthess.
