Der Kaufmann von Venedig
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Der Kaufmann von Venedig

William Shakespeare
Theater · 1600

Über das Werk

William Shakespeares „The Merchant of Venice" entstand vermutlich 1596/97 und gehört zu seinen umstrittensten Werken — die Klassifikation als „Komödie" steht in scharfem Konflikt mit dem antisemitischen Stoff um den jüdischen Geldverleiher Shylock. Das Stück verbindet eine bezeichnende Liebes- und Verkleidungs-Komödie mit einem Gerichtsdrama um einen blutigen Schuldschein.

Handlung

In Venedig leiht der Kaufmann Antonio sich für seinen Freund Bassanio dreitausend Dukaten von Shylock, einem jüdischen Geldverleiher, dem Antonio zuvor offenes Antisemitismus gezeigt hat. Shylock fordert als „Spaß" einen Schuldschein, der ihm im Säumnis ein Pfund von Antonios Fleisch verspricht. Bassanio reist mit dem Geld nach Belmont, wo er um die reiche Erbin Portia werben will. Drei Bewerber müssen aus drei Kästchen (Gold, Silber, Blei) wählen — Bassanio wählt richtig (Blei) und gewinnt Portia, sein Diener Gratiano gewinnt ihre Dienerin Nerissa. Da kommt die Nachricht: Antonios Schiffe sind verloren, der Schuldschein wird fällig. Shylock besteht auf seinem Pfund Fleisch — auch nachdem ihm das dreifache Geld geboten wird. Vor dem Dogen-Gericht plädieren beide Seiten. Portia, als Anwalt verkleidet, gibt Shylock zunächst Recht — fügt dann hinzu, der Schein erlaube Fleisch, aber „nicht ein Tropfen Blut". Shylock ist gefangen: Er muss die Hälfte seines Vermögens dem Staat geben, die andere Antonio, und sich zum Christentum bekehren. Im Schluss-Akt reisen alle zurück nach Belmont; Liebespaare verzeihen einander Treue-Spielchen. Antonios Schiffe sind doch nicht verloren.

Kulturelle Bedeutung

Der Kaufmann von Venedig ist Shakespeares heikelste Komödie. Shylocks Monolog „Hath not a Jew eyes?" ist eine der mächtigsten Anklagen gegen Antisemitismus in der Weltliteratur — geschrieben in einer Zeit, in der Juden in England seit 1290 verbannt waren. Moderne Inszenierungen ringen mit der Doppelnatur des Stücks. Berühmte Shylocks: Edmund Kean, Henry Irving, Laurence Olivier (1970), Al Pacino (Film 2004), F. Murray Abraham. Auf deutschen Bühnen seit 1945 mit besonderer Vorsicht: Shylock als tragische Figur, nicht als Karikatur.

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