Über das Werk
„Selbstbezichtigung“ ist ein Sprechstück von Peter Handke, das er Ende 1965 in Graz als Auftragsarbeit für den Band „Publikumsbeschimpfung und andere Sprechstücke“ der edition suhrkamp schrieb; der Arbeitstitel lautete „Beichte“. Die Uraufführung fand am 22. Oktober 1966 an den Städtischen Bühnen Oberhausen statt, gemeinsam mit dem Sprechstück „Weissagung“ und in der Regie von Günther Büch.
Handlung
Es gibt keine Handlung und keine Rollen im herkömmlichen Sinn. Ursprünglich für einen jungen Mann und eine junge Frau gedacht, legen die Sprechenden vor dem Publikum ein ausführliches Bekenntnis ab. Formeln der kirchlichen Beichte werden dabei mit juristischen Wendungen und banalen Feststellungen gekreuzt, und Satz für Satz entsteht ein Katalog von Geboten und Regeln, die ein Mensch im Laufe seines Lebens kaum vermeiden kann zu verletzen.
Kulturelle Bedeutung
Das Stück gilt als Gegenstück zur „Publikumsbeschimpfung“: Statt die Zuschauenden anzugreifen, macht es sie zur höchsten Instanz, vor der sich die Sprechenden verantworten. Es gehört zu den frühen sprachkritischen Arbeiten, mit denen Handke in den 1960er Jahren die Konventionen des Theaters in Frage stellte.