Über das Werk
Friedrich Dürrenmatts „ungeschichtliche historische Komödie" in vier Akten wurde 1949 am Stadttheater Basel uraufgeführt und erfuhr bis 1980 mehrere Überarbeitungen durch den Autor. Das Stück spielt im Jahr 476 nach Christus, am letzten Tag des Weströmischen Reiches, und stellt die klassische Geschichtsschreibung komplett auf den Kopf.
Handlung
Kaiser Romulus, historisch ein unbedeutender Jüngling auf dem Thron der späten Caesaren, ist bei Dürrenmatt ein alternder Hühnerzüchter, der bewusst nichts gegen den Untergang Roms unternimmt. Er sieht das Weltreich als moralisch bankrott und betrachtet seinen Nichtregierungs-Akt als höchste staatsmännische Leistung. Während Hofbeamte panisch fliehen und seine Tochter Rea den letzten Ehrenmann heiraten will, züchtet Romulus ungerührt seine Hühner — alle nach großen römischen Kaisern benannt. Als der Germanenfürst Odoaker erscheint, stellt sich heraus, dass beide dasselbe wollten: das Ende eines verrotteten Systems. Romulus wird pensioniert und stirbt als einfacher Mann.
Kulturelle Bedeutung
Romulus der Große ist Dürrenmatts wichtigste frühe Komödie und formuliert ein Kernthema seines Werks: Wie kann der Einzelne in einer absurden Welt verantwortlich handeln? Die Figur des Romulus gilt als Gegenentwurf zu den tragischen Helden der klassischen Dramatik — ein Mann, der durch Nichts-Tun zum Akteur wird. Das Stück wird regelmäßig an deutschsprachigen Bühnen gespielt und gilt als Klassiker der Nachkriegsdramatik neben Brechts „Galileo" und Frischs „Andorra".
