Über das Werk
Sergej Prokofjews abendfüllendes Ballett in vier Akten nach Shakespeares Tragödie entstand 1935/36 für das Bolschoi-Ballett. Politische Verwicklungen und Einwände gegen Prokofjews ursprünglich glückliches Ende verzögerten die Uraufführung, die schließlich 1938 im tschechoslowakischen Brünn stattfand. Die sowjetische Erstaufführung folgte 1940 am Kirow-Theater in Leningrad mit Galina Ulanowa als Julia.
Handlung
Im Verona der Renaissance pflegen die verfeindeten Familien Montague und Capulet eine Generationen alte Feindschaft. Romeo Montague dringt unerkannt in einen Ball der Capulets ein und verliebt sich auf der Stelle in Julia. Nach einer heimlichen Trauung durch Pater Lorenzo tötet Romeo im Duell Julias Cousin Tybalt und wird verbannt. Um einer Zwangsheirat zu entgehen, nimmt Julia einen Schlaftrank, der den Tod vortäuscht. Romeo, der den Plan nicht kennt, findet ihren scheinbaren Leichnam und vergiftet sich. Julia erwacht, entdeckt den toten Romeo und ersticht sich mit seinem Dolch. Angesichts des Todes ihrer Kinder versöhnen sich die Familien über den Gräbern.
Kulturelle Bedeutung
Prokofjews Romeo und Julia ist das bedeutendste Handlungsballett des 20. Jahrhunderts und hat fast alle früheren Romeo-Ballette aus dem internationalen Repertoire verdrängt. Der „Tanz der Ritter" mit seinem unerbittlichen Rhythmus und dem massiven Blech gehört zu den bekanntesten Stücken der Orchestermusik und ist in Film und Fernsehen allgegenwärtig. Choreografien von Leonid Lawrowski, Kenneth MacMillan, John Cranko und Rudolf Nurejew haben je eine Tänzergeneration geprägt. Das Balkon-Pas-de-deux zählt zu den ikonischsten des Balletts.
