Über das Werk
Thomas Bernhards Stück wurde 1984 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt — die Titel-Rollen sind nach den drei Schauspielern Ilse Ritter, Kirsten Dene und Gert Voss benannt, die in der Uraufführung unter Claus Peymann spielten. Das Werk ist eine bewusste Gelegenheitsarbeit, geschrieben für ein bestimmtes Ensemble, und gehört zu Bernhards meistgespielten Stücken.
Handlung
Zwei unverheiratete Schwestern aus großbürgerlichem Wiener Haus erwarten die Rückkehr ihres Bruders Ludwig aus einer psychiatrischen Klinik. Die jüngere Ritter ist naiv und vegetarisch, die ältere Dene die strenge Hüterin der Familientradition. Ludwig, ein wahnsinniger Philosoph (erkennbar an Ludwig Wittgenstein modelliert), kehrt heim und tyrannisiert die Schwestern mit seinen Zwangsvorstellungen, verweigert das zubereitete Essen und attackiert die bürgerliche Wohnungseinrichtung. Gegessen wird Sauerkraut, gesprochen wird über Schopenhauer, Schuberts Winterreise läuft im Hintergrund. Am Ende sitzt Ludwig versteinert — zurückgefallen in den geistigen Abgrund, der ihn verschluckt.
Kulturelle Bedeutung
Ritter, Dene, Voss gilt als Bernhards präzisestes Kammerspiel und als Hommage an das Schauspielerhandwerk. Die Figur Ludwigs ist eine der komplexesten Männerrollen der deutschsprachigen Dramatik — Intellektueller, Tyrann, Opfer der Familie und seiner selbst. Bernhard verschmilzt darin seine Obsessionen: das Wiener Bürgertum, die philosophische Besessenheit, die unheilbare Liebe zwischen Geschwistern. Wiederaufnahmen mit wechselnden Besetzungen zählen zu den Höhepunkten deutschsprachiger Theaterabende.