Über das Werk
Qui a tué mon père ist ein autobiografisch-politischer Text von Édouard Louis, erstmals 2018 veröffentlicht. Die Schaubühne zeigt eine von Thomas Ostermeier inszenierte Bühnenfassung, in der Louis selbst auftritt. Die Pariser Premiere war am 9. September 2020, die Berliner Premiere am 7. Oktober 2021. Der zugrunde liegende Text erschien 2018.
Handlung
Louis richtet sich an seinen Vater, zu dem seine Beziehung durch Gewalt, Homophobie, Distanz und soziale Härte geprägt war. Im Erwachsenenalter begegnet er ihm als gesundheitlich schwer geschädigtem Mann wieder. Der Text verschiebt daraufhin die Perspektive: Der Vater bleibt Täter innerhalb der Familie, erscheint zugleich aber als Opfer von Armut, körperlicher Arbeit und politischen Sozialreformen. Louis verbindet persönliche Erinnerung und intime Annäherung mit einer expliziten Anklage gegen politische Entscheidungen, die das Leben der französischen Arbeiterklasse materiell prägen.
Kulturelle Bedeutung
Das Werk gehört zu Louis' international viel beachteter Verbindung von Autobiografie, Klassenanalyse und politischer Intervention. Es verweigert eine einfache Trennung zwischen privater und struktureller Gewalt. Besonders einflussreich ist die direkte Benennung politischer Entscheidungsträger als Verantwortliche für konkrete körperliche Folgen sozialpolitischer Maßnahmen. Die Bühnenfassung verstärkt den autobiografischen Charakter dadurch, dass Louis seinen eigenen Text selbst spielt.
