Über das Werk
Pulcinella ist ein einaktiges Ballett mit Gesang von Igor Strawinsky, das 1920 für die Ballets Russes von Sergei Diaghilew entstand. Die Uraufführung fand am 15. Mai 1920 an der Pariser Oper statt, dirigiert von Ernest Ansermet, mit der Choreografie von Léonide Massine und den berühmt gewordenen Bühnenbildern und Kostümen von Pablo Picasso. Strawinsky stützte sich auf Musik des 18. Jahrhunderts, die damals Giovanni Battista Pergolesi zugeschrieben wurde – tatsächlich stammt vieles von Zeitgenossen wie Domenico Gallo. Das Werk gilt als Schlüsselstück und Ausgangspunkt von Strawinskys neoklassizistischer Schaffensphase.
Handlung
Das Geschehen entstammt der neapolitanischen Commedia dell'arte und kreist um die titelgebende Maske Pulcinella. Der charmante Pulcinella wird von allen Mädchen umschwärmt, was die jungen Männer des Dorfes vor Eifersucht rasen lässt und einen Mordplan schmieden lässt. Mit List inszeniert Pulcinella seinen eigenen Scheintod und seine wundersame „Wiederauferstehung", während sich seine Rivalen in Pulcinella-Kostümen verkleiden und ein heiteres Verwirrspiel aus Täuschung und Verkleidung entsteht. Am Ende lösen sich alle Wirren in mehreren fröhlichen Hochzeiten auf. Strawinskys Partitur verbindet barocke Melodien mit modernen Rhythmen, schroffen Akzenten und ironischen Brechungen zu einem funkelnden Ganzen.
Kulturelle Bedeutung
Pulcinella markiert eine Wende in Strawinskys Schaffen: Der Komponist bezeichnete die Begegnung mit dieser älteren Musik als jene „Erleuchtung, durch die mein gesamtes Spätwerk möglich wurde". Damit gilt das Ballett als Geburtsstunde des musikalischen Neoklassizismus, der die Musik des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägte. Die legendäre Zusammenarbeit von Strawinsky, Massine, Picasso und Diaghilew macht das Werk zudem zu einem Höhepunkt der Ballets Russes. Aus der Ballettmusik zog Strawinsky später die vielgespielte Pulcinella-Suite, die das Stück fest im Konzertrepertoire verankerte.
