Über das Werk
Publikumsbeschimpfung ist ein „Sprechstück" von Peter Handke, uraufgeführt 1966 in Frankfurt. Das radikale Antitheater-Stück verzichtet auf Handlung, Figuren und Bühnenbild und attackiert provokativ die Konventionen des traditionellen Theaters – es machte den jungen Handke schlagartig berühmt.
Handlung
Vier Sprecher treten vor das Publikum und halten keine Rollen, sondern reden die Zuschauer direkt an. In rhythmisch komponierten, kaskadenartigen Wortfolgen reflektieren sie die Theatersituation selbst: Sie erklären, dass es keine Handlung geben wird, keine Illusion, keine vierte Wand. Sie analysieren das Verhalten, die Erwartungen und die Rolle des Publikums – um am Ende in eine ebenso virtuose wie ironische „Beschimpfung" der Zuschauer überzugehen, die das herkömmliche Verhältnis von Bühne und Saal endgültig umkehrt.
Kulturelle Bedeutung
Publikumsbeschimpfung ist ein Schlüsselwerk des Anti- und Sprechtheaters und eine fundamentale Reflexion über das Wesen des Theaters selbst. Handke entlarvt die Theaterillusion, indem er sie konsequent verweigert, und macht die Sprache und die Anwesenheit des Publikums zum eigentlichen Ereignis. Das Stück wurde zum Manifest einer ganzen Generation experimenteller Theatermacher und gehört zu den meistdiskutierten Werken der Nachkriegsdramatik.