Über das Werk
Johann Wolfgang von Goethes Monodrama wurde 1778 als Einlage in das Scherzspiel Der Triumph der Empfindsamkeit verfasst und später als eigenständiges Werk überarbeitet. 1815 wurde es in einer vollständig neuen Vertonung Karl Eberweins als autonomes Werk am Weimarer Hoftheater uraufgeführt. Das kurze, intensive Stück zeigt Proserpinas Klage im Hades — eine einzige Rolle, getragen von wechselnden Stimmungen und mythischer Dichte.
Handlung
Proserpina, von Pluto in die Unterwelt entführt und zur Königin des Hades gemacht, klagt über ihr dunkles Reich und ihre Trennung von ihrer Mutter Ceres und vom Licht der Oberwelt. Während sie ihren Schmerz ausspricht, entdeckt sie einen Granatapfel und isst davon — ohne zu wissen, dass diese Handlung sie endgültig an die Unterwelt bindet. Im Schlussteil erkennt sie, was sie getan hat, und der Chor der Parzen verkündet ihr Schicksal.
Kulturelle Bedeutung
Proserpina ist Goethes einzige reine Monolog-Dichtung und eines der frühesten deutschen Monodramen. Das Werk wurde als theoretisches Experiment konzipiert, in dem eine einzige Stimme die gesamte emotionale Spannweite eines Dramas tragen sollte. Eberweins Vertonung von 1815 erweiterte die Textbasis erheblich. Moderne Aufführungen betonen die proto-expressionistische Qualität des Textes und seine Nähe zu späteren Monodram-Traditionen — Schönbergs Erwartung nimmt etwa davon vorweg.
