Professor Bernhardi
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Professor Bernhardi

Arthur Schnitzler
Theater · 1912
DramaNaturalismus

Über das Werk

Arthur Schnitzlers Schauspiel in fünf Akten entstand 1912 und wurde aufgrund seiner politischen Brisanz in Österreich zunächst verboten. Die Uraufführung fand 1912 am Kleinen Theater Berlin statt, in Wien war das Stück bis 1918 untersagt. Es gilt als Schnitzlers explizit politischstes Werk und behandelt Antisemitismus in der österreichischen Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg.

Handlung

Professor Bernhardi, jüdischer Arzt und Leiter einer Privatklinik in Wien, verwehrt einem katholischen Priester den Zutritt zu einer sterbenden Patientin. Die junge Frau ist in den Glauben, gesund zu werden, und Bernhardi will ihr diese Illusion bis zuletzt lassen. Aus dem medizinisch-ethischen Akt wird ein politischer Skandal: Antisemitische Kreise nutzen den Fall, um Bernhardi öffentlich zu verfolgen. Er wird zu Gefängnis verurteilt, lehnt jedoch politische Solidaritätsaktionen ab und bleibt seiner persönlichen Integrität treu.

Kulturelle Bedeutung

Professor Bernhardi war eines der ersten deutschsprachigen Dramen, das Antisemitismus als systemisches Problem thematisierte — und wurde genau deshalb in Österreich verboten. Die Figur Bernhardis gilt als eine der differenziertesten Studien über Integrität unter gesellschaftlichem Druck. Das Stück erlebte nach 1945 zahlreiche Neuinszenierungen und wurde zum Dokument für die Rolle des Theaters in gesellschaftlichen Debatten. Thomas Bernhards „Heldenplatz" zitiert das Werk explizit.

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