Über das Werk
Prima Facie ist ein gefeiertes Ein-Personen-Stück der australisch-britischen Dramatikerin Suzie Miller, das 2019 am Stables Theatre in Sydney uraufgeführt wurde. Weltbekannt wurde es durch die Londoner West-End-Inszenierung von 2022 mit Jodie Comer, die dafür den Olivier Award und später am Broadway einen Tony Award gewann. Das Stück, getragen von einer einzigen Schauspielerin, verbindet packendes Gerichtsdrama mit einer scharfen Kritik am Umgang der Justiz mit sexualisierter Gewalt. Suzie Miller, selbst ausgebildete Juristin, schöpft dabei aus genauer Kenntnis des Rechtssystems.
Handlung
Tessa ist eine brillante junge Strafverteidigerin, die sich aus einfachen Verhältnissen an die Spitze ihres Fachs gearbeitet hat. Mit Schlagfertigkeit und Siegeswillen verteidigt sie ihre Mandanten, kreuzverhört Zeug*innen und gewinnt Fall um Fall – auch in Verfahren wegen sexueller Übergriffe. Dann jedoch wird sie selbst zum Opfer einer Vergewaltigung und sieht sich plötzlich auf der anderen Seite des Systems wieder. Als Zeugin in eigener Sache erlebt sie, wie Beweislast, patriarchale Strukturen und die Regeln des Gerichts die Wahrheit von Betroffenen zermalmen. Aus der erfolgreichen Anwältin wird eine Anklägerin des Systems selbst.
Kulturelle Bedeutung
Prima Facie traf mit seiner Uraufführung den Nerv der #MeToo-Bewegung und entwickelte sich zu einem internationalen Theatererfolg mit weitreichender Wirkung. Das Stück hat in mehreren Ländern Debatten über den juristischen Umgang mit sexualisierter Gewalt angestoßen und beeinflusst bis heute die Aus- und Fortbildung von Richter*innen. Suzie Miller schrieb den Stoff später zu einem Roman um; eine Verfilmung ist in Arbeit. Als kraftvolles Solostück über Recht, Macht und Gerechtigkeit zählt es zu den wichtigsten Theatertexten der Gegenwart.
