Über das Werk
Phèdre ist eine Tragödie in fünf Akten von Jean Racine, uraufgeführt 1677 in Paris. In strengen Alexandrinern verfasst, gilt sie als Gipfelwerk der französischen Klassik und als eine der vollkommensten Tragödien der Weltliteratur. Racine griff den antiken Stoff von Euripides und Seneca auf und formte ihn zu einem Drama von beklemmender psychologischer Tiefe.
Handlung
Phèdre, die Gattin des Königs Theseus, wird von einer verzehrenden, verbotenen Leidenschaft für ihren Stiefsohn Hippolyte gequält. Als die Nachricht vom Tod des Theseus eintrifft, gesteht sie ihre Liebe – doch Hippolyte, der selbst die junge Aricie liebt, weist sie entsetzt zurück. Als Theseus überraschend lebend zurückkehrt, beschuldigt Phèdres Amme aus Furcht Hippolyte, sich an Phèdre vergangen zu haben. Der erzürnte Theseus ruft den Fluch des Gottes Neptun auf seinen Sohn herab, der daraufhin stirbt. Von Schuld zerfressen, nimmt Phèdre Gift und gesteht sterbend die Wahrheit.
Kulturelle Bedeutung
Phèdre ist das berühmteste Werk Racines und ein Höhepunkt des klassizistischen Theaters, das die drei aristotelischen Einheiten mustergültig erfüllt. Die Titelrolle gilt als eine der größten Herausforderungen für Tragödinnen und wurde von Sarah Bernhardt bis zu modernen Stars verkörpert. Racines Darstellung einer von Begierde, Scham und Schuld zerrissenen Frau nimmt psychologische Einsichten vorweg, die erst die Moderne systematisch erschloss, und hat Generationen von Dramatikern und Denkern beeinflusst.
