Penthesilea
—
0 Bewertungen

Penthesilea

Heinrich von Kleist
Theater · 1808

Über das Werk

Heinrich von Kleists Tragödie „Penthesilea" entstand 1806-08 und wurde als „organisches Fragment" 1808 veröffentlicht. Die Bühnenuraufführung fand erst 1876 in Berlin statt. Kleist nannte das Stück „mein innerstes Wesen" — ein extremer, expressiver, an Grenzen gehender Text, der lange als unaufführbar galt.

Handlung

Im Krieg um Troja erscheint überraschend ein drittes Heer: die Amazonen unter ihrer Königin Penthesilea. Nach dem Gesetz der Amazonen müssen die Frauen Männer im Kampf besiegen, um sie als Liebhaber zur Zeugung neuer Amazonen zu nehmen. Penthesilea hat im Heer Achilles erkoren, den größten griechischen Helden — und Achilles, ebenso fasziniert von ihr, lässt sich auf einen Liebes-Kampf ein. Beide kämpfen, sind verwirrt zwischen Hass und Liebe; Achilles, von Penthesilea verwundet und gefangen, lässt sie aus Liebe glauben, sie habe ihn besiegt. Penthesilea triumphiert. Doch ihre Freundinnen klären sie auf: in Wahrheit hat ER gesiegt. Penthesilea, von der Demütigung in einen Wahnsinnsausbruch gestürzt, eilt mit Hunden und Pfeilen Achilles entgegen, der ihr unbewaffnet zum versöhnenden Wiedersehen kommt. Sie zerfleischt ihn buchstäblich mit Hunden und ihren Zähnen. Erst danach, das Blut an ihrem Mund, erkennt sie, was sie getan hat: „So war es ein Versehen. Küsse, Bisse, das reimt sich." Sie tötet sich selbst, indem sie das Gefühl der Verzweiflung allein im Geist als Dolch denkt — und stirbt.

Kulturelle Bedeutung

Penthesilea ist eines der radikalsten Stücke der deutschen Literatur — Goethe lehnte das Manuskript entsetzt ab. Heute gilt das Werk als Kleists ehrgeizigstes Drama und Schlüsseltext der weiblichen Tragik. Die Othmar-Schoeck-Oper (1927) und Inszenierungen von Hans Neuenfels, Andrea Breth, Karin Henkel haben das Stück seit den 1970er Jahren ins zeitgenössische Theaterbewusstsein gerückt.

Community-Bewertung
—
0 Bewertungen
Home
Entdecken
Freunde
Profil