Über das Werk
Pal Joey ist ein Musical mit Musik von Richard Rodgers und Gesangstexten von Lorenz Hart, basierend auf Kurzgeschichten von John O'Hara, der auch das Buch schrieb. Die Uraufführung am Broadway 1940 brach mit der heiteren Konvention des Genres: Statt eines sympathischen Helden steht hier ein durchtriebener Schwerenöter im Mittelpunkt. Mit seinem zynischen, erwachsenen Ton und seiner moralischen Ambivalenz gilt das Werk als wegweisend für ein realistischeres, ernsteres amerikanisches Musical.
Handlung
Joey Evans ist ein charmanter, aber skrupelloser Conférencier in zweitklassigen Nachtclubs von Chicago, der von einem eigenen Lokal träumt. Er umgarnt die naive junge Linda, lässt sie aber fallen, als sich ihm die reiche, gelangweilte und verheiratete Gesellschaftsdame Vera Simpson zuwendet. Vera finanziert ihm seinen ersehnten eigenen Club „Chez Joey" und macht ihn zu ihrem Liebhaber. Doch als ein Erpressungsversuch die Affäre bedroht, durchschaut Vera Joeys Eigennutz und lässt ihn ebenso kühl fallen, wie er andere fallen ließ – und der Lebenskünstler zieht allein weiter zur nächsten Gelegenheit.
Kulturelle Bedeutung
Pal Joey gilt als eines der ersten erwachsenen, desillusionierten Musicals und nahm in Ton und Haltung spätere Werke wie Cabaret oder Chicago vorweg. Der Song „Bewitched, Bothered and Bewildered" wurde zum Jazz-Standard und Welterfolg. Anfangs für seinen ruppigen Antihelden kritisiert, wurde das Stück bei der Wiederaufnahme 1952 als Meisterwerk gefeiert und lief länger als das Original. Es markiert einen Wendepunkt hin zu einem Musical, das auch unsympathische Figuren und moralische Grauzonen zuließ.
