Über das Werk
Pacific Overtures ist ein Musical mit Musik und Gesangstexten von Stephen Sondheim und einem Buch von John Weidman, uraufgeführt 1976 am Broadway in der Regie von Harold Prince. Das Werk erzählt die erzwungene Öffnung Japans durch den Westen im 19. Jahrhundert – und zwar konsequent aus japanischer Perspektive. In Anlehnung an das traditionelle Kabuki-Theater, mit männlichen Darstellern in allen Rollen und stilisierten Mitteln, verbindet das Stück fernöstliche Ästhetik mit Sondheims raffinierter Kompositionskunst.
Handlung
Im Jahr 1853 lebt Japan seit über zwei Jahrhunderten in selbst gewählter Abschottung, als die „schwarzen Schiffe" des amerikanischen Commodore Matthew Perry vor der Küste erscheinen und mit Waffengewalt Handelsbeziehungen erzwingen. Anhand zweier Freunde – des niederen Samurai Kayama und des nach Amerika verschlagenen Fischers Manjiro – verfolgt das Stück, wie die Begegnung mit dem Westen das Land verändert. Aus anfänglicher Abwehr und diplomatischem Lavieren wird ein unaufhaltsamer Modernisierungs- und Verwestlichungsprozess, der Traditionen zerstört, Loyalitäten zerreißt und Japan binnen weniger Jahrzehnte in eine industrielle Großmacht verwandelt.
Kulturelle Bedeutung
Pacific Overtures zählt zu den formal kühnsten und ungewöhnlichsten Werken des amerikanischen Musiktheaters und ist ein Höhepunkt der Zusammenarbeit von Sondheim und dem Regisseur Harold Prince. Die mehrperspektivische Erzählnummer „Someone in a Tree" bezeichnete Sondheim selbst als einen seiner liebsten eigenen Songs. Mit seiner Verschmelzung westlicher Musicalform und japanischer Theatertradition gilt das Stück als bahnbrechendes Experiment und als nuancierte Reflexion über Kolonialismus, kulturellen Wandel und den Preis des Fortschritts.