Über das Werk
Otello, ossia Il moro di Venezia ist eine Oper in drei Akten von Gioachino Rossini mit einem Libretto von Francesco Maria Berio di Salsa nach Shakespeares Tragödie. Die Uraufführung fand am 4. Dezember 1816 am Teatro del Fondo in Neapel statt. Sie war über sieben Jahrzehnte lang die maßgebliche Otello-Vertonung, bis Verdis gleichnamige Oper sie 1887 von den Spielplänen verdrängte.
Handlung
Otello kehrt als siegreicher Feldherr nach Venedig zurück. Heimlich hat er Desdemona zur Frau genommen, doch ihr Vater Elmiro bestimmt sie für Rodrigo, den Sohn des Dogen. Der eifersüchtige Rodrigo verbündet sich mit dem intriganten Jago, der Otello einen verfänglichen Brief Desdemonas zuspielt und ihn glauben lässt, sie liebe Rodrigo. Verzweifelt zieht sich Desdemona in ihre Gemächer zurück und singt das berühmte „Lied von der Weide" (Canzone del Salice), in dem sie ihr Schicksal beklagt. Von Eifersucht geblendet dringt Otello in ihr Schlafgemach ein und ersticht sie. Als Jagos Verrat aufgedeckt wird, nimmt sich Otello über dem Leichnam seiner Gemahlin das Leben.
Kulturelle Bedeutung
Rossinis Otello gilt als Meilenstein der italienischen Belcanto-Oper und als bedeutendste Shakespeare-Vertonung vor Verdi. Das Werk ist bekannt für seine außergewöhnliche Besetzung mit drei virtuosen Tenorpartien — eine einzigartige Anforderung des Belcanto-Repertoires. Die berühmte „Canzone del Salice" im dritten Akt gilt als einer der ergreifendsten Momente der frühromantischen Oper; Stendhal bezeichnete sie als das Schönste, was Rossini je komponiert habe. Bis zur Uraufführung von Verdis Otello 1887 beherrschte Rossinis Fassung die europäischen Opernhäuser und markiert Rossinis künstlerische Wendung von der Opera buffa hin zum ernsten Musikdrama.
