Über das Werk
Ophelias Tränen ist ein Soloabend am Schauspiel Leipzig, künstlerisch geleitet von Paula Winteler und Lina-Marieke Wegner und gespielt von Winteler. Die Premiere fand am 11. September 2024 statt. Die Produktion nimmt die Figur Ophelia aus Shakespeares Hamlet als kulturellen und dramatischen Ausgangspunkt und entwickelt daraus eine eigenständige gegenwärtige Arbeit über ihre Perspektive.
Handlung
Ophelia fragt sich, ob sie weinen soll oder nicht, unterdrückt ihre Tränen meist vor anderen und sammelt sie heimlich. Von diesem surrealen Ausgangspunkt entfaltet sich ein Abend über Traurigkeit, Zärtlichkeit, Selbstbilder und die kulturelle Faszination für die schweigende, schöne, sterbende Ophelia. Popkulturelle Bezüge zu Sad-Girl-Ikonen stehen neben klassischen Ophelia-Bildern. Entscheidend ist, dass die Figur nicht länger als Nebenfigur eines männlichen Helden erscheint, sondern selbst den Raum und die Deutungshoheit erhält.
Kulturelle Bedeutung
Die Produktion reiht sich in zeitgenössische feministische Neubefragungen kanonischer Frauenfiguren ein. Sie setzt der langen Bildtradition der passiven, schönen und toten Ophelia eine sprechende, widersprüchliche und gegenwärtige Figur entgegen. Kritiken hoben genau diese Verschiebung aus einer jahrhundertelang männlich dominierten Darstellungstradition hervor.
